Mit der ersten Lesung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) hat die parlamentarische Beratung eines zentralen Vorhabens zur Wärmewende im Gebäudesektor begonnen. Seitens des VDI, Deutschlands größtem technisch-wissenschaftlichen Verein, wird der technologieoffene Ansatz des Gesetzes und die angestrebten Vereinfachungen für Eigentümer grundsätzlich begrüßt. Gleichwohl sieht der VDI im weiteren Gesetzgebungsverfahren konkreten Verbesserungsbedarf, insbesondere in den Bereichen Investitionssicherheit, Infrastrukturplanung und Gebäudeautomation.
Das GModG zielt darauf ab, den Heizungstausch zu vereinfachen und neue Wahlmöglichkeiten bei Heizsystemen zu schaffen. Aus der Perspektive des VDI ergeben sich aus diesen Änderungen zudem erhöhte Anforderungen an die Koordination von Wärmeplanung, Netzinfrastruktur und Gebäudetechnik. Adrian Willig, Direktor des VDI, betonte im Kontext der ersten Lesung die Bedeutung dieses Gesetzgebungsverfahrens für die Schaffung von Planungssicherheit für Millionen von Gebäudeeigentümern sowie für die investierende Wirtschaft. Er hob hervor, dass Technologieoffenheit zwar ein korrekter Ansatz sei, jedoch nicht zu einer mangelnden Orientierung führen dürfe. Investitionen in Heizungsanlagen erforderten Klarheit über die zukünftig verfügbare Energieinfrastruktur.
Infrastrukturstrategie und Gasnetzproblematik
Die Bundesregierung verfolgt mit dem Gesetz das Ziel, die Akzeptanz für die Wärmewende zu erhöhen und den Heizungstausch zu vereinfachen. Der VDI argumentiert jedoch, dass hierfür mehr als lediglich zusätzliche Wahlmöglichkeiten erforderlich sind. Akzeptanz entstehe maßgeblich durch nachvollziehbare Rahmenbedingungen, verlässliche Förderprogramme und eine langfristig planbare Infrastruktur.
Eine Herausforderung stellt die Gasnetzproblematik dar. Zahlreiche kommunale Wärmepläne prognostizieren einen deutlichen Rückgang der Erdgasnutzung sowie den Rückbau oder die Umwidmung von Gasnetzen. Ohne eine abgestimmte Infrastrukturstrategie könnten steigende Netzentgelte und zusätzliche finanzielle Belastungen entstehen, insbesondere für Haushalte, die weiterhin an das Gasnetz gebunden sind. Der VDI fordert eine integrierte Infrastrukturstrategie, die Elektrifizierung, Fernwärmeausbau und Gasnetzentwicklung koordiniert. Direktor Willig merkte an, dass die Debatte nicht allein auf den Einbau neuer Heizungen fokussiert bleiben dürfe, sondern sich primär auf die Verfügbarkeit der Infrastruktur konzentrieren müsse. Eigentümer müssten frühzeitig über die Konsequenzen eines schrittweisen Rückbaus der Gasnetze für ihre Investitionen informiert werden.
- —Koordination von Wärmeplanung, Netzinfrastruktur und Gebäudetechnik.
- —Förderung von Wärmepumpen als Planungssicherheit für Hersteller, Handwerk und Verbraucher.
- —Langfristige Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen durch Anpassungen bei Stromsteuer und Netzentgelten.
- —Beibehaltung der Anforderungen an die Gebäudeautomation zur Sicherstellung der Energieeffizienz.
Bedeutung der Gebäudeautomation
Die Gebäudeautomation spielt eine signifikante Rolle für die tatsächliche Energieeffizienz von Gebäuden, insbesondere im Nichtwohngebäudesektor. Hier entstehen Effizienzverluste häufig nicht durch die Heiztechnik selbst, sondern durch eine mangelhafte Betriebsoptimierung, fehlendes Monitoring und eine unzureichende Steuerung komplexer gebäudetechnischer Systeme. Der bisherige Paragraph 71a GEG adressierte diese Punkte durch Vorgaben zur digitalen Energieüberwachung und technischem Monitoring. Der VDI begrüßt, dass diese Anforderungen im Gebäudemodernisierungsgesetz grundsätzlich nicht vollständig entfallen, warnt jedoch vor einer materiellen Abschwächung. Adrian Willig betonte hierzu, dass die Vermeidung von Energieverbrauch die günstigste Kilowattstunde darstelle und Gebäudeautomation sowie intelligentes Energiemanagement daher keine Zusatzanforderungen, sondern zentrale Instrumente für niedrigere Energiekosten und erhöhte Versorgungssicherheit seien.
Der VDI appelliert an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, die parlamentarische Beratung zur stärkeren Verzahnung von Wärmeplanung, Energieinfrastruktur und Gebäudetechnik zu nutzen. Ein langfristig erfolgreicher Modernisierungspfad des Gebäudebestands kann nur durch eine kohärente Betrachtung von Investitionsentscheidungen, Netzausbau und technischen Anforderungen erreicht werden.




