Angesichts der aktuellen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstreicht der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) die Notwendigkeit, investitionsfördernde Rahmenbedingungen zu etablieren. Die Finanzierungskosten sowie die Baupreise verbleiben auf einem hohen Niveau. Die Hypothekenzinsen für zehnjährige Bindungen liegen weiterhin bei etwa 4 Prozent, was eine deutliche Überschreitung des Niveaus der Niedrigzinsjahre darstellt.
Iris Schöberl, Präsidentin des ZIA, erläutert, dass die EZB ihrem Mandat zur Preisstabilität nachkommt. Für die Immobilienwirtschaft resultiert daraus jedoch eine dauerhafte Herausforderung, da die Finanzierungskosten weiterhin signifikant über dem Niveau vergangener Perioden liegen. Parallel dazu erschweren die hohen Baukosten Investitionen in essenzielle Bereiche wie den Wohnungsbau, Modernisierungsmaßnahmen und Klimaschutzprojekte.
Auswirkungen auf den Immobilienmarkt
Diese Umstände äußern sich in realen Marktentwicklungen: Zahlreiche genehmigte Projekte werden verschoben oder neu kalkuliert, Neubauvorhaben werden gestoppt und energetische Sanierungen vertagt. Trotz dieser Zurückhaltung auf der Angebotsseite bleibt der Druck auf dem Wohnungsmarkt bestehen. Deutschland ist bis zum Jahr 2040 auf jährlich etwa 257.400 neue Wohneinheiten angewiesen; die tatsächlich realisierte Bauleistung liegt jedoch signifikant darunter. In vielen Regionen verzeichnet der Leerstand lediglich etwa 2 Prozent oder weniger, ein Wert, der für einen funktionalen Wohnungsmarkt als unzureichend gilt.
Frau Schöberl weist darauf hin, dass ein Mangel an Wirtschaftlichkeit letztlich zu einem Defizit an verfügbarem Wohnraum führt, was wiederum Auswirkungen auf Mietpreise und soziale Stabilität hat. Familien suchen oft über Monate hinweg nach bezahlbarem Wohnraum, während genehmigte Projekte ungenutzt bleiben. Dies erfordert, aus Sicht des ZIA, ein politisches Gegensteuern.
Forderungen der Immobilienwirtschaft
Der ZIA hat gemeinsam mit weiteren Verbänden aus den Bereichen Bau, Wohnen und Finanzen einen Appell veröffentlicht. Dieser fordert einen sogenannten „Bau-Turbo II“, auch als Finanzierungsturbo bezeichnet. Die beteiligten Verbände sehen hierbei konkreten Handlungsbedarf in folgenden Bereichen:
- —Einführung eigenkapitalersetzender Maßnahmen wie Bürgschaften, Garantien oder Zuschüsse, um die Finanzierungsstruktur zu stärken.
- —Verbesserung und Gewährleistung verlässlicher Abschreibungsmöglichkeiten (AfA), um Investitionsanreize zu schaffen.
- —Aussetzung der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber, um den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern.
Abschließend betont Frau Schöberl, dass die EZB ihre Funktion als Währungshüterin erfüllt. Ob jedoch tatsächlich wieder verstärkte Investitions- und Bauaktivitäten einsetzen, hängt maßgeblich von den politischen und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen ab. Die Schaffung dieser Bedingungen obliegt der Bundesregierung.




